Lernen ist cheaten

Mich umgeben ständig Leute.
 Gestern diese. Jene heute.
 Doch könnte ich Personen wählen,
 würd‘ ich nicht auf die Fleiß’gen zählen.

Wer fleißig ist und Opfer bringt,
 dem ganz bestimmt das Ziel gelingt,
 mit Schlechteren sich zu umgeben.
 Die Schule lässt den Fleiß hochleben.

Doch was wir mittlerweile wissen,
 die Folgen daraus sind beschissen.
 Ich muss nur an mich zurückdenken
 und euren Fokus leicht umlenken.

Mir fiel das Lernen nicht sehr schwer.
 Mit etwas Fleiß schaffte ich mehr.
 Der Lohn waren die guten Noten,
 doch später fragen, war verboten.

Denn alles, was ich fleißig lernte,
 sich sofort aus dem Kopf entfernte,
 sobald ichs aufgeschrieben hatte.
 Ich hielt sie sauber, meine Platte.

Hat man gelernt oder verstanden?
 Das Wissen ist jeweils vorhanden.
 Doch schon nach dem nächsten Essen
 ist das Gelernte schnell vergessen.

So zeigt ein Zeugnis niemals klar,
 ob man schlau oder fleißig war.
 Darum schlägt mein Herz mit allen,
 die sich an die Erkenntnis krallen.

Erkenntnis ist es, was uns bleibt;
 erlerntes Wissen überschreibt.
 Wir brauchen keine Papageien,
 die echohaft Bekanntes schreien.

Was wir brauchen, sind die Denker;
 die kreativen Wissenslenker,
 die interessiert am Thema bleiben
 und nicht von anderen abschreiben.

Es kritisierten schon die Großen,
 dass Menschen, die mit Noten posen,
 sich dabei maßlos überschätzen,
 wenn sie nicht aufs Verstehen setzen.
 
Und ein berühmter Autor
[1] wusste:
Geschick allein fordert Verluste.
Mit Sehnsucht und mit Leidenschaft,
verleih‘ ich meinem Schaffen Kraft.

Ein Schiff zu bauen, ist nicht schwer,
treibt dich die Sehnsucht nach dem Meer.
[2]
Wenn ich nur das Handwerk lerne,
rückt Perfektion in weite Ferne.

Was heißt das jetzt für unser Leben?
Dürfen wir nicht nach Wissen streben?
Darf man nicht alles investieren,
um sein Ziel nicht zu verlieren?

Dazu kann ich nur eines sagen:
Solang wir uns mit Fleiß abplagen,
bleibt der Wissenszuwachs flüchtig;
ist uns die Wertung viel zu wichtig.

So schränken uns Zensuren ein.
Verbreiten Angst. Halten uns klein.
Sie lassen uns frustriert zurück
nur zu der Lehrer*innen Glück.

Ihr Tagwerk haben sie vollbracht,
wenn sie sich aalen in der Macht,
die sie mit Notendruck verbinden;
und letzte Interessen schwinden.

Während wir uns mit Lernen quälen,
könnten wir auch Schäfchen zählen.
Ersteres tun nur die Braven.
Die anderen könn‘ besser schlafen.

Und wie soll’n wir den Karren wenden?
Ganz einfach. Lasst euch nicht mehr blenden,
von Zeugnissen, die nichts aussagen,
außer die Kraft, Leid zu ertragen!

Ein Gütesiegel ist es nicht,
quält man sich durch den Unterricht.
Die Kraft in Noten investieren?
Das kann nur zu mehr Frust führen.

Er interessiert sich nicht für Fische,
 doch er baut die besten Tische.
 Warum soll er das Fischen lernen
 und sich von Holzarbeit entfernen?
 
Sie kennt sich mit Zahlen aus.
 Nur Musik ist ihr ein Graus.
 Warum soll sie jetzt fleißig singen
 und nicht mit Mathe Zeit verbringen?

Ja, warum lassen wir uns zwingen,
 ein Lied für Lehrende zu singen?
 Ja, warum lassen wir uns leiten,
 von Noten, die nur Angst verbreiten?

Hört endlich auf, euch anzupassen!
 Und fangt an, auf euch aufzupassen!
 Ihr müsst das Büffeln dann weglassen,
 wenn ihr anfangt, es zu hassen!

Der Unterricht verliert den Schrecken,
 wenn Lehrende Int’ressen wecken.
 Fördern sie dann die Kompetenzen,
 Werd’n Schüler*innen nicht mehr schwänzen.

Was einfach klingt, ist mega schwer.
 Wo nimmt man nur die jenen her,
 die nicht hörig am Lehrplan hängen,
 sondern ihr Gehirn anstrengen?
 
Die Politik muss jetzt umlenken.
 Darf nicht mehr nur in Bahnen denken.
 Es ist ein aussichtsloses Ringen,
 Kindern ALLES beizubringen.

Vielmehr fehlen uns Spezialisten*
 und nicht die leidlichen Puristen*.
 Wir brauchen einfach mehr Personen,
 die nicht in Engstirnhausen wohnen.

Dann könnten wir den Lehrplan schließen.
 Den Unterricht wieder genießen.
 Wir hätten immer eine Wahl.
 Und Lernen wäre keine Qual.

Wenn wir die Schule dann verlassen,
 das Lehrlingsgeld feiernd verprassen
 oder das Studium gut beenden,
 kann sich dieses Blatt noch wenden.

Denn wenn ich meine Stärken stärke,
 geh ich stets motiviert zu Werke.
 Ich werde weiter investieren,
 in Dinge, die mich interessieren.

Bis dahin kann ich nur sehr hoffen,
 dass ich auf Menschen bin getroffen,
 die klug genug waren, sich zu kennen;
 von Fremdbestimmtheit sich zu trennen.
  
Beginnt mein Herz zu rebellieren,
 soll‘n mich die Schlauen operieren.
 Ich brauche keine fleiß’gen Hände.
 Meine zwei linken sprechen Bände.

Wenn meine Heizung wieder leckt,
 will ich, dass sie ein Schlauer checkt.
 Denn Menschen steigern ihren Lohn,
 folgen sie stets ihrer Passion.

Von Ehrlichkeit ist weit entfernt,
 wer fürn Intelligenztest lernt.
 Denn das betrügt den Arbeitgeber*
 und der kriegt wieder nur die Streber*.

Doch sollten auch jene umdenken,
 die Noten ihr Vertrauen schenken.
 Lernt man Personen richtig kennen,
 kann man sich von den Zahlen trennen.

Ihr seht, ich reime mich in Rage.
 Darum folgt jetzt die Schlusspassage.
 Noch mal in aller Deutlichkeit:
 Wir leben in ‘ner neuen Zeit.

Niemand trägt mehr einen „Ranzen“
 und will nach einer Pfeife tanzen,
 die uns zu Einheitsmenschen richtet
 und Individuen vernichtet.

Wir sind doch alle schön verschieden
 und wären schon damit zufrieden,
 wenn wir sein könnten, wie wir sind.
 Ein einzigartig schönes Kind.

 [1] Antoine de Saint-Exupéry – „Citadelle“ (posthum 1948 erschienen, dt. „Die Stadt in der Wüste“) 

[2] Originaltext: „Wenn du ein Schiff bauen willst, so trommle nicht Männer zusammen, um Holz zu beschaffen, Werkzeuge vorzubereiten, Aufgaben zu vergeben und die Arbeit einzuteilen, sondern lehre die Männer die Sehnsucht nach dem weiten, endlosen Meer.“
[*] Fühlt euch bitte alle angesprochen! Mir mangelte es am Reim, SORRY.

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