Expert*innen
Fachfrauen und Fachmänner,
Sachverständige und Kenner.
So definiert sie unser Duden.
Expert*innen, das sind die Guten.
Doch ich nehme das anders wahr.
Ich halte es für sonderbar,
wenn man unterm Namen sieht:
„Expert*in für ein Fachgebiet.“
Hab‘ ich mit Erfolg studiert
oder sogar promoviert.
Hab‘ ich die Lehre abgeschlossen
und noch die Meisterschaft begossen.
Schafft ich die Prüfung mit Bravour.
Verlieh man mir die Professur.
Dann hat man was zum Drunterschreiben
und muss nicht bei Expert*in bleiben.
Wenn nichts mehr bleibt an Nachweisbarem,
klingt immer noch nach etwas Wahrem,
dass ich mich Expert*in nenne
und meinen Auftritt nicht verpenne.
Was wir bei ihnen nie vermissen,
ist gefährliches Halbwissen.
Gefährlicher sind nur die „Weisen“,
die sich um jedes Thema reißen.
Man sieht sie auf allen Kanälen.
Kein andrer da, sie abzuwählen.
Und so begleiten sie uns täglich.
Ihr Mehrwert ist einfach nur kläglich.
Ich frage mich: Was macht sie aus?
Womit verdienen sie Applaus?
Und: Warum lädt mich keiner ein?
Ich könnt so vieles für euch sein.
Ich bin schon mal im Kreis gelaufen
und war selbstständig einkaufen.
Ich kann mir die Schnürsenkel binden
und verlor‘ne Sachen finden.
Das sind schon vier Expertisen.
Damit hab‘ ich ganz klar bewiesen,
dass ich in Talkshows reingehöre
und garantiert kein Meeting störe.
Laufstile und Ausdauer;
durch mich werdet ihr schlauer.
Bei Preisen und bei Steuersätzen
vermag ich mehr, als nur zu schätzen.
Zu meiner Kunst im Knotenbinden,
lässt sich kein bess’rer Seemann finden.
Und finde ich verlegte Sachen,
kann ich über die KriPo lachen.
Drum ladet mich jetzt immer ein,
wenns darum geht, geübt zu sein.
Ich hab‘ so viele Kompetenzen
und werde keinen Auftritt schwänzen.
Expert*in sein, ist kinderleicht.
Rudimentäres Wissen reicht.
Verlieren kann ich keinen Ruf,
wo ich mir nie einen erschuf.
Doch fragt mich jemand zu ‘ner Sache,
die ich rein beruflich mache,
dann sieht das Ganze anders aus.
Hier brauche ich euren Applaus.
Ob Doktor oder Handwerksmeister,
Arznei oder Tapetenkleister.
Wenn Profis ernst argumentieren,
dann haben sie was zu verlieren.
Die Expertise ist ‘ne Krücke.
Doch sie zeigt auch Mut zur Lücke.
Mit diesem Mut wird kompensiert,
was Weisheit wirklich definiert.
Ich kann es mir hier nicht verkneifen.
Ich muss noch einmal um mich greifen.
Expert*innen sind weit verzweigt.
Sich selten eine Hochburg zeigt.
Doch wo ich sie ausschließlich seh,
sind CDU und AfD.
Beenden will ich diese Qual
und komme schließlich zur Moral:
„Fallt bitte nicht mehr auf sie rein!
Expert*innen gibt’s nur zum Schein.“
Wenn euch Expert*innen anraten:
Ihr sollt nur noch in Rotwein baden.
Wenn sie bei ihrer Meinung bleiben,
die Erde gibt es nur in Scheiben.
Dann hinterfragt die Pseudo-Weisen!
Folgt ihnen nicht auf ihren Reisen!
Worte haben Kraft
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